Gesundheit beim Dobermann
und wie man sie züchterisch wieder für die Rasse
zurückgewinnen könnte


Nachfolgend möchte ich nicht auf einzelne Krankheiten eingehen,
sondern ich möchte meine Erfahrungen aus den letzten 10 Jahren als Summe wiedergeben,
die für andere Züchter eventuell als Anhaltspunkt dienen kann,
auch wenn er vielleicht nicht über jeden Ahnen der Zuchtpartner seiner Hunde
allzuviel in Erfahrung bringen konnte.

Ich bin weder Tierarzt noch irgendein selbsternannter "Experte" für Zucht,
sondern meine Anhaltspunkte resultieren aus vielen,
vielen Recherchen, aus dem "Lesen zwischen den Zeilen" von Infos,
die ich über einzelne Hunde und Verpaarungen erhalten habe,
sowie aus dem Erfahrungsschatz einiger ganz selten gewordener Züchter,
die die Rasse Dobermann seit 30 oder mehr Jahren kennen
und zu ihren Zeiten (oder sogar noch jetzt) überwiegend gesunde,
langlebige Hunde züchten, und vor allem auf dem gesunden Menschenverstand,
der im Rahmen der kommerzialisierten Welpenzucht
leider so manchem Zweibeiner abhanden gekommen ist.


Wie gesagt, ich habe hier nur Erfahrungswerte aufgelistet;
meine persönlichen Schlüsse muss niemand nachvollziehen und für richtig halten.
Jeder Leser kann seine eigenen Schlüsse daraus ziehen. Wünschen würde ich mir nur,
dass sie in die Richtung gehen, die IM SINNE der Rasse Dobermann sind,
und nicht in dieselbe Richtung, die den Dobermann dahin gebracht haben,
wo er heute ist: nämlich an den Rand des gesundheitlichen Abgrundes.

Wer Augen hat, zu sehen, der wird sehen.
Abgewandelt möchte ich hier sagen:
wer das Herz und den Verstand hat, zu erkennen, der wird erkennen!


1. Ahnenvielfalt - Ahnenverlust

Das allerbeste Mittel gegen ein extremes übergreifen von Erbkrankheiten nach vorne in die Welpen im Hier und Jetzt ist,
für eine so hohe Ahnenvielfalt wie möglich zu sorgen.
Der Dobermann ist leider Gottes eine Rasse,
die in den letzten Jahrzehnten viel zu oft und viel zu häufig immer über dieselben Ahnen gezüchtet wurde,
während zeitgleich existierende Hunde schlichtweg "passiv ausgerottet" worden sind.
Durch die viel zu oft und zu häufig getätigten Inzuchten ist ein extremer Ahnenverlust entstanden.
Das bedeutet, dass meist zwischen der 6. und 10. Generation eines Tieres unausweichlich
einer oder mehrere Ahnen (und somit auch ALLE deren Vorfahren!!) mehrmals im Stammbaum vertreten sind.

Bei einem zu hohen Ahnenverlust passiert aber folgendes:
Es tritt - bildlich gesprochen - derselbe Effekt ein wie beim Kopieren.
Die Kopie von der Kopie von der Kopie.... wird mit der Zeit immer schlechter.
Genauso ist das bei einem zu hohen Ahnenverlust: Erbkrankheiten, die in den einzelnen Ahnen latent vorhanden waren,
"sammeln" sich so quasi in den aktuellen Welpen und kommen dort gehäuft zum Ausbruch.
Denn in JEDEM Hund schlummern die Anlagen für Erbkrankheiten! Es gibt keinen Hund OHNE negative Eigenschaften!
Es ist immer nur eine Frage der Chance, die wir dieser Krankheit bieten,
ob sie sich in den Nachkommen manifestieren kann, oder eben nicht!

Da der Dobermann eh eine Rasse ist, die eine recht kleine Zuchtbasis besitzt (momentan ca. 700 Welpen im Jahr,
gegenüber z.B. ca. 20.000 Welpen pro Jahr beim Deutschen Schäferhund),
ist es fast nicht möglich, komplett ohne Ahnenverlust, bzw. mit 100%iger Ahnenvielfalt zu züchten.

Zudem wurde spätestens in den siebzigern des letzten Jahrhunderts ein ganz schrecklicher Zuchtfehler gemacht,
nämlich dass so gut wie JEDER Züchter nur noch zu bestimmten Hunden zum Decken gegangen ist.
Diesen genetischen Flaschenhals büßen wir momentan dahingehend,
dass es keinen einzigen Hund mehr gibt OHNE diese Ahnen aus den Siebzigern.

Gelernt haben wir nichts daraus, dieser Fehler wird derzeit vollständig wiederholt....
Meine Feststellung ist, dass mehr als ca. 1/3 Ahnenverlust - bezogen auf 7 Generationen -
das stärker gehäufte Auftreten von Erbkrankheiten begünstigt.
7 Generationen deshalb, weil momentan bei fast allen Hunden die Ahnen bis zur 7. Generation
auf jeden Fall nachvollzogen werden können;
Sollten mehr Generationen aufgeführt sein, kann sich der Wert um einige % nach oben verschieben,
bei weniger Generationen dementsprechend um einige % nach unten.
Diese Faustregel muss nicht zu hundert Prozent stimmen, jeder kann sie für sich nach unten korrigieren;
ein Anheben aber bedeutet in jedem Fall definitiv für die Nachkommen ein erhöhtes gesundheitliches Risiko.

2. Inzucht

Als Inzucht gilt, wenn in den ersten 5 Generationen einer Verpaarung ein Ahne sowohl über den Vater
wie auch die Mutter in der Ahnentafel eines Welpen auftaucht.
Ab der 6. Generation gilt dies nicht mehr als Inzucht, hat aber sehr wohl wieder Auswirkungen auf die Ahnenvielfalt.

Inzucht ist ein züchterisches Instrument, mit dem wir sehr vorsichtig umgehen sollten.
Inzucht kann sich sowohl positiv, als auch mit schrecklichen Folgen auf die Nachkommen auswirken.
Je weiter die Inzucht nach vorne in den Stammbaum rückt, desto wirksamer ist sie,
sowohl in der einen, wie auch in der anderen Richtung.

In der Regel wird hier in D auf 2/3 bzw. auf 3/2 auf einen bestimmten Ahnen ingezüchtet.
Das heißt, der Ahne ist beim Vater in der 2., bei der Mutter in der 3. Generation wiederzufinden (oder umgekehrt).
Solange dieser Ahne ganz allgemein gesund, langlebig und fit war,
und solange dieser Ahne selbst nicht allzu eng ingezüchtet war,
große Ahnenvielfalt hatte und diese Ahnen auch noch überwiegend langlebig waren,
kann man eine solche Inzucht durchaus versuchen und das Ergebnis wird unter solchen Umständen positiv sein.

Fatal wird es, wenn eben dieser Ahne, auf den ingezüchtet wurde, selbst sehr jung an einer Erbkrankheit verstorben ist,
und noch schlimmer, wenn auch seine Ahnen auffallend früh von der Bildfläche verschwunden sind!
Die Krönung ist, auf einen Ahnen inzuzüchten, der selbst in allerengstem Maße ingezüchtet ist,
und das auch noch auf Ahnen, die definitiv sehr früh an einer Erbkrankheit verendet sind.
Mit ein bisschen gesundem Menschenverstand stellt sich doch hier die Frage:
Wie soll aus einer solchen Verbindung ein gesunder, langlebiger Hund entstehen?

Wenn ein Hund einen Ahnen in seiner Ahnentafel hat,
der definitiv Krankheiten vererbt hat, dann kann er durchaus trotzdem in der Zucht eingesetzt werden,
wenn das Einzeltier so vielversprechend ist, dass man nicht auf ihn verzichten möchte.
Aber: Man sollte als Züchter peinlichst darauf achten, dass die AHNENVIELFALT so groß wie möglich ist,
und dass auf gar keinen Fall über den Deckpartner nochmals dieser belastete Ahne
oder seine Vorfahren mit in die Zucht kommen, und dass die restlichen Ahnen
ein gutes Alter erreichen konnten!

Nur so hat auch die Nachzucht aus solchen Hunden eine reelle Chance,
relativ gesund ein gutes Alter zu erreichen!!
UND wir müssten nicht die Rasse Dobermann neu definieren, sondern könnten über ganz gezielte Auslese,
sowie über wirklich durchdachte Verpaarungen eventuell noch tatsächlich diese Hunde retten.


3. Alter

Bei Hündinnen, die in die Zucht gehen sollen, kann man leider nicht bis ins Alter abwarten,
ob sie gesund sind/bleiben, oder ob sich bei ihnen eine (Erb-)krankheit manifestiert.
Bei Rüden allerdings schon! Natürlich bringen die jungen Rüden in der Regel mehr Welpen in einem Wurf als ältere,
aber bei einer Rasse, die gesundheitlich dermaßen mit Problemen zu kämpfen hat,
wie dem Dobermann, habe ich lieber einen Wurf mit 5 gesunden Welpen als mit 8 oder 10 Welpen,
deren gesundheitliche Zukunft fraglich ist.

Sollte ein Rüde bereits mit vier oder fünf Jahren aus irgendwelchen Krankheitsgründen nicht mehr leben,
dann ist das auf jeden Fall sehr traurig für seinen Besitzer und seine Familie,
die ihn verloren hat. Es ist aber kein Verlust für die Zucht!

Mein Tipp ist daher: Rüden, die schon 7 oder noch mehr Jahre gesund alt geworden sind,
die sogar in diesem Alter noch eine Herzuntersuchung ohne Befund und ein intaktes Blutbild vorweisen können,
sollten in jedem Fall vor den jungen Rüden bevorzugt werden!

Als einzige Ausnahme lasse ich persönlich gelten, wenn ein Deckrüde aus erwiesenermaßen gesunden,
langlebigen Elterntieren bzw. Ahnen entstammt.
Sollte kein anderer, älterer Rüde zur Hündin in punkto Ahnenvielfalt, Inzuchtkoeffizient und Phänotyp passen,
würde ich in diesem Falle auch auf einen jungen Rüden zurückgreifen.


4.Gesundheitsuntersuchungen

Was als guter Ansatz begann, ist leider inzwischen teilweise zu einer bürokratischen Rechtfertigung
für den Einsatz von Hunden aus belasteten Linien verkommen: Die Gesundheitsuntersuchungen,
speziell die Untersuchung auf DCM.


* DCM
Weitere Infos hierzu: Tierkardiologie...

Um es einmal ganz klar zu sagen: Eine Untersuchung auf DCM (mit negativem Befund)
auf diese Erbkrankheit bei einem jungen Hund ist KEIN Garant dafür,
dass er auch in Zukunft von dieser Seuche verschont bleiben wird!!
Viel zuverlässiger dagegen sind Eltern und Ahnen eines Hundes, die selbst gesund alt geworden sind,
und die möglichst bis weit nach hinten in der Ahnenreihe nicht miteinander verwandt sind!


In der Regel bringt eine Untersuchung auf DCM erst nach dem 3. Geburtstag eines Hundes ein einigermaßen aussagekräftiges Ergebnis.
Bis zum Alter von 3 Jahren verläuft eine beginnende DCM nämlich in der Regel in der okkulten Phase und kann nicht erkannt werden.
Aus diesem Grund präferiere ich - nachdem sich der DV nach 2 Jahren einer Versuchsphase mit Einführung
einer DCM-Untersuchung als Zuchtzulassung wieder davon verabschiedet hat - persönlich folgende Lösung:

innerhalb der ersten drei Lebensjahre: ein Kurzzeit-EKG
Sollte hier schon ein auffälliger Befund vorliegen, ist der Hund eh dem Tode geweiht und kann nicht zur Zucht verwendet werden,
es ist sogar fraglich, ob er überhaupt das dritte Lebensjahr erreichen wird.

erstes 24-Stunden-Holter-EKG: zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr
die okkulte Phase ist vorbei, sollte der Hund an einer DCM erkrankt sein, kann dies in der Regel frühestens jetzt festgestellt werden.

Weiteres 24-Stunden-Holter-EKG: 5. bis 6. Lebensjahr
bei vielen Hunden, bei welchen mit 3 und 4 Jahren noch kein positiver Befund feststellbar war,
wird nun plötzlich doch ein Befund sichtbar.
Die Anfänge der DCM, die die Hunde in der Regel mit ca. 7 Jahren plötzlich sterben lassen,
beginnen in der Regel in diesem Alter.

Weiteres 24-Stunden-Holter-EKG: 7. bis 8. Lebensjahr
sollte auch dieses EKG kein negatives Ergebnis aufweisen, hat der Hund in der Regel eine gute Chance,
ein für eine mittelgroße Rasse "normales" Alter von ca. 10 - 12 Jahren zu erreichen.

Sollte tatsächlich ein Hund erst im Alter von 9 Jahren noch an DCM erkranken
und mit 10 bis 11 Jahren urplötzlich daran versterben,

- also ganz ehrlich! - damit könnte ich gut leben, ich würde sogar sagen, es gibt wohl keinen schöneren Tod für einen 11-jährigen Hund.
Und sollte er dieses Alter und diese Todesart vererbt haben... auch damit könnte ich leben.
Dies ist aber nur möglich, wenn die unter Punkt 1 und 2 beschriebene Ahnenvielfalt und niedrige Inzucht beibehalten wird.
Jegliches Verengen der Varietät, z.B. durch gehäufte Inzuchten, erniedrigt die Grenze, zu welcher eine Erbkrankheit wie DCM ausbrechen kann.

In direktem Zusammenhang mit DCM ist in den letzten Jahren auch die Schilddrüsenunterfunktion (SDU) ins Gespräch gekommen.
Hier weitere Infos: SDU...

Es würde sich nach neuesten Erkenntnissen also anbieten,
seinen Hund erst mal auf eine eventuell bestehende SDU hin untersuchen zu lassen,
BEVOR man ihn einer Untersuchung auf DCM vorstellt, da ansonsten die Ergebnisse der Herzuntersuchung unter Umständen
verfälscht und nicht wirklich aussagekräftig sind!

* von Willebrand Syndrom

diese Krankeit - auch genannt Bluterkrankheit - lässt sich in der Regel relativ gut züchterisch beherrschen.
Hier ein Link zu mehr Information: vWD...

Es gibt die Stadien frei / Träger / erkrankt
Der Träger von vWD wird selbst nicht an der Bluterkrankheit erkranken, da er in der Regel über genügend Einheiten des Gerinnungsfaktors verfügt,
die seinem Körper eine normale Reaktion auf Verletzungen erlauben.
Er kann allerdings beim züchterischen Einsatz das Gen für die Bluterkrankheit ca. 1/4 seiner Nachkommen weitergeben.

Da wir beim Dobermann nur über eine überaus kleine Zuchtbasis verfügen,
gibt es das eine oder andere Zuchttier, das mit allen seinen übrigen Eigenschaften so wertvoll für die Zucht ist,
dass es nicht ausgeschlossen werden sollte, nur weil es das vWD Gen in sich trägt.


Allerdings sollte man als Züchter vorsichtig sein und darauf achten, dass zumindest der Zuchtpartner dieses Gen NICHT trägt!!
Ist dies der Fall, wird den Nachkommen durch diese Krankheit auch kein Schaden geschehen.
Nur bei der Verpaarung von zwei Trägern von vWD, oder aber bei Hunden, die definitiv daran erkrankt sind,
kann diese Krankheit bei den Nachkommen ausbrechen und schreckliche Folgen haben!

* Dilute

Weitere Infos hier: Dilute...

Auch für die Vererbung der Farbaufhellung - die in diesem Sinne keine Krankheit ist,
die aber Krankheiten nach sich ziehen kann! - gilt dasselbe wie für Hunde, die Träger von vWD sind:
Sollte ein Tier aufgrund seiner restlichen Eigenschaften für die Zucht wichtig sein,
sollte man es nur, weil es evtl. das Dilute-Gen trägt, nicht ausschließen!
Die (durch das Dilute Gen erzeugte) Farbe blau (ein aufgehelltes schwarz) war sogar bis Anfang der neunziger Jahre
des letzen Jahrhunderts beim Dobermann in der Zucht noch erlaubt!!
Wo also sollte das Gen hinverschwinden in nicht mal ganz 20 Jahren?

Leider wird heutzutage ein Träger des Dilute-Gens oder auch des vWD-Gens eher geächtet in der Zucht,
als Hunde, deren Ahnen definitiv an DCM verstorben sind!! Diese Einstellung ist leider weit verbreitet und zeigt,
wie makaber und krank inzwischen die Zuchtpolitik in der Rasse Dobermann geworden ist:
Krankheiten, die sich mit etwas Verantwortungsbewusstsein und einer ganz einfachen tierärztlichen Untersuchung
züchterisch relativ gut und problemlos beherrschen lassen, werden als schwerwiegenderer Mangel empfunden als Krankheiten,
die haufenweise junge und - auf den ersten Blick gesunde - Hunde niedermähen!


5. Schau- und Leistungslinien

Leider machen wir Züchter einen weiteren Fehler in der Zucht:
Wir (Leistungsbefürworter) lehnen langsam kategorisch alle Hunde aus den Schaulinien ab.
Das ist auch falsch!! Wenn doch ein Hund aus den gängigen Schaulinien mit normaler Größe ein workaholic ist,
UND gesunde Ahnen hat, gibt es einen plausiblen Grund, warum man den NICHT zur Zucht nehmen soll??

Leider ist es aber inzwischen so, dass die überwiegende Mehrheit der Hunde aus den Schaulinien zu groß und zu schwer für die Arbeit sind
und sich schon aus diesem Grunde nicht mehr wirklich als Gebrauchshund eignen.
Die (wenigen) Hunde aus den Schaulinien, die tatsächlich anatomisch sowie von ihrer arbeitstechnischen Qualität her etwas taugen,
fallen in der Regel gar nicht mehr wirklich auf, da sie seltenst die Chance bekommen, sich zu beweisen.
Zudem sind sie sich inzwischen allesamt von ihrer Abstammung her alle so ähnlich und gehen zu 99 % auf Ahnen zurück,
die leider heftig DCM-belastat oder anderweitig von Erbkrankheiten gebeutelt sind,
sodass sie in vielen Fällen leider keine Alternative für eine gesunde Dobermannzucht mehr darstellen!

Was allerdings auffällt, ist,
dass auf der DV-DM oder auch auf der WM nicht die rein auf Leistungslinien gezüchteten Hunde die - punktemäßige - Nase vorne haben,
sondern erstaunlich oft Hunde, die halb-halb aus Schau- und Leistungslinien gezüchtet sind.
Mag sich jeder selbst seine Gedanken darüber machen...

6. Resumée

Und dennoch, eines wird sich niemals ändern lassen: Es gibt keine Garantie für die Gesundheit oder Langlebigkeit,
weder für Mensch noch Tier. Egal aus welchen Gründen, sei es die genetische Veranlagung, seien es Umwelteinflüsse,
seien es die Auswirkungen falscher Fütterung, seien es die in letzter Zeit in die Kritik geratenen viel zu häufigen und unnötigen Impfungen,
oder gar ein Mix aus allem: Vor Krankheiten wird es niemals einen hundertprozentigen Schutz geben.
Es wird unvermeidlich auch Hunde treffen, die ursprünglich alle Voraussetzungen hatten, gesund zu bleiben und alt zu werden.

Genauso sicher aber wird sein, dass diejenigen Züchter, die alles dafür tun, um gesunde Hunde zu züchten, die ersten sein werden,
die "Prügel" aus den eigenen Reihen beziehen, sollte es tatsächlich einmal einen ihrer Hunde erwischen.
Und wenn es nur ein Hund unter zehn Hunden ist, so werden besonders diejenigen Kollegen,
bei welchen es von zehn Hunden nur ein Hund schafft, auch nur in die Nähe eines zweistelligen Geburtstages zu kommen,
die ersten sein, die lautstark Kritik an diesem Züchterkollegen und seiner Zucht üben werden,
darüber bin ich mir schon im Klaren.

Nur ist es aber - ein drittes mal - ebenso sicher, dass es da einen gewaltigen Unterschied gibt:
Die einen versuchen nämlich ernsthaft, möglichst so viele Risiken, die ihnen bekannt sind, von vornherein für einen Wurf auszuschließen;
andere machen sich darüber kaum oder gar keine Gedanken.


Ich werde niemals meine Welpen "ins offene Messer" laufen lassen
und gesundheitliche Risiken wider besseres Wissen in Kauf nehmen,
indem ich bewusst mit und auf Ahnen züchte/gezüchtet habe, die für diese Risiken bekannt sind/waren.
Sondern ich werde mich immer darum bemühen, meinen Welpen durch ihre langlebigen Vorfahren,
durch viel Ahnenvielfalt und durch Vermeidung von all zu engen Inzuchten möglichst große Chancen
für ein langes und gesundes Leben mit auf den Weg zu geben.


Wenn dieses Konzept für echte 90% meiner Welpen aufgeht (nicht für 90%,
bei welchen selbst wiederum nur noch 90% aufgrund von Vertuschung "am Leben ist"!),
hat sich die Mühe für diese Hunde gelohnt, und für eine Rasse,
für die es gesundheitlich leider bereits fünf vor zwölf geschlagen hat.

© Carola Kusch, Dezember 2009